2024  /  Ruth Erdt: K12, Steidl 2024

Ruth Erdt – Tanz im Randbezirk

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Schwamendingen, persönlich

Ab und zu fuhren wir in meiner Jugend zu meinem Onkel nach Schwamendingen. Er wohnte mit seiner Frau und Tochter in einer Siedlung der Baugenossenschaft Glattal, die bis heute bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellt. An der Bushaltstelle Luegisland stiegen wir aus, dann ging es eine geschwungene Strasse runter, mitten in eine Wiesenlandschaft mit hellen drei- und vierstöckigen Wohnhäusern. Klassische Fünfzigerjahrebauten, weiss oder hell verputzt, eher hellhörig, mit sachlichem, rationalem Grundriss und oft mit klackendem rotem Klinkerboden im Korridor. Die liegenden hellen Haus-Kuben waren teils freistehend, teils zu Dritt aneinandergereiht, aber immer und überall von auffallend viel grüner Wiesenfläche umgeben. Nur Bäume und Wiesen, ohne irgendeinen Zaun.

Ein wenig wie eine Parklandschaft empfand ich es damals. Einerseits war ich neidisch, weil alles so viel grosszügiger wirkte als die Kleingärten vor und hinter den Häusern im zentrumsnahen Kreis 6, in dem ich aufgewachsen bin. Weit offener auch als die mit hohen, spitzigen Metallzäunen eng unterteilten Hinterhöfe, an denen wir immer wieder mal unsere Manchesterhosen aufgerissen haben. Da halfen dann weder die schönklingende Pfirsich-Strasse noch die zupackende Pflug-Strasse weiter. Andererseits aber war ich auch überheblich, denn irgendwie war das doch nicht mehr die Stadt, die ich kannte. Weit und breit kein Kiosk, kein Harassenlager, in dem man Verstecken spielen konnte, kein Hinterhof, in dem wir uns küssten und prügelten. Damals verstand ich noch nichts vom Projekt Gartenstadt, mit dem der Stadtbaumeister Albert Steiner im Sinn und Stil englischer Gartenstädte das 1934 eingemeindete Dorf Schwamendingen mit dem Rest der Stadt verbinden und zugleich erschwinglichen Wohnraum für die Arbeiter:innen und Angestellten in der wachsenden Maschinenindustrie im nahen Oerlikon schaffen wollte.[i] Aus dem Bauerndorf wurde so innerhalb von dreissig Jahren ein urbanes Wohnquartier.

Ich war in der sechsten Klasse, als meine Freunde vom dritten Stock bei uns im Haus an der Meinradstrasse mit ihren Eltern aus- und in der Siedlung Mattenhof am Stadtrand in ein Reiheneinfamilienhaus umzogen. Ein Haus mit Garten und, was mich beeindruckte, je mit einem eigenen Geräteschuppen. Etliche schulfreie Mittwochnachmit­tage nahm ich den Bus Nr. 72 bis an die Endstation Mattenhof, also ans Ende von Schwamendingen, direkt am Stadtrand gelegen. Wir spielten meist draussen auf den Wiesen, mit offenem Blick nach vorne, nach Osten in Richtung Dübendorf. Damals war die Stadtgrenze auffallend scharf. Es gab danach weit und breit kein einziges Gebäude mehr, nur Äcker und Wiesen. Es fühlte sich, aus der Perspektive eines Primarschülers, ein wenig wie das süsse Ende der Welt an. 

Die Stadt Zürich, das war doch alles vor dem Milchbuck, dieser Anhöhe, die Fuhrwerke früher nur mit Zwischenhalt erklimmen konnten. Vom See zum Hauptbahnhof und dann hoch zum Milchbuck. Danach ging es nur noch runter, stetig bergab bis ins Glattal, ins Nebelloch, und dann Richtung Flughafen. In den Stadtkreisen 1–9, gruppiert um das Ende des Zürichsees herum und der Limmat entlang, suchte man sich Wohnungen, ja, auch noch im Kreis 10, in Wipkingen und Höngg, aber die Kreise 11 und 12, vor allem eben 12, liess man gerne links liegen. Da halfen auch Ausflüge mit dem Vater – er war Sportschütze – in die Schiessanlage Probstei nicht, auch nicht die Handballspiele in der Turnhalle des Stettbach-Schulhauses, um dieses Bild zu korrigieren. Den besten Eindruck hinterliess noch der Sonntagsspaziergang vom Zürichberg, am Zoo vorbei runter zur Ziegelhütte in Schwamendingen, dem bekannten Ausflugsrestaurant. Er half das verdrehte, verklebte Bild zu korrigieren. Oder der kleine Kern des Ur-Dorfes Schwamendingen[ii], der einige Häuser enthält, die 500 oder mehr Jahre alt sind, eines davon, der sogenannte Kehlhof, in dem auch Recht gesprochen wurde, soll sogar schon 1000 Jahre oder mehr alt sein.[iii] In diesem alten Kern befand sich ein paar Jahre lang das Büro der volkskundlichen, ethnologischen Zeitschrift „Der Alltag – Sensationsblatt des Gewöhnlichen“, und damit mein allererster Arbeitsplatz nach dem Studium, zusammen mit den Herausgebern der Zeitschrift, Niklaus Wyss und Walter Keller. Wyss war einer der ersten kulturellen Förderer Schwamen­dingens.[iv] Eine Besonderheit waren seine Stadtführungen, seine volkskundlichen Lehrgänge mit schrägem Humor durch den Kreis 12. Ruth Erdt wohnt seit mehr als dreissig Jahren gleich nebenan, in einem anderen Gebäude des Dorfkerns.

Die Schneise

Ende der 1970er-Jahre wurde der Kreis 12 brachial aufgebrochen. Es wurde regelrecht eine Schneise durch ihn gefräst. Dabei wurde Saatlen von Schwamendingen Mitte und Hirzenbach abgetrennt. Als Überrest eines wunderlich-wahnsinnigen Städtebauprojektes, Expressstrassen-Y genannt, das vorsah, drei Autobahnen mitten in die Stadt zu führen und in einer Ypsilon-Form miteinander zu verknüpfen. Die A3 aus den Bündner Alpen, aus Chur, die A1 (Nordarm) vom Bodensee, von Sankt Gallen und die A1 (Westarm) vom Westen, von Genf, Lausanne und Bern her – diese drei Arme sollten über und später unter der Limmat bei der Badeanstalt Oberer Letten, rund fünfhundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt, miteinander zum Verkehrsdreieck verschweisst werden. Ein Plan von 1955, angelehnt an den Städte- und Strassenbau in den USA der 1950er-Jahre. Obwohl die Stimmberechtigten des Kantons Zürich die Vorlage zweimal angenommen haben, ist dieses Projekt bis heute nicht vollendet worden. Gott sei Dank, denke ich. Ein Grund dafür mag sein, dass die Bevölkerung der direkt davon betroffenen Stadt Zürich, im Gegensatz zur Abstimmungsmehrheit, zweimal Nein in die Urne gelegt hat. Die Sihlhochstrasse der A3 ist deshalb bis heute ein sichtbarer Stumpf geblieben, die A1 aus dem Westen versandet im ehemaligen Industriequartier, nur der A1-Arm aus dem Norden wurde wirklich gebaut: quer durch Schwamendingen hindurch, dann in den Schöneichtunnel hinein, gefolgt vom Milchbucktunnel, runter bis direkt an die Limmat heran. Rund 120‘000 Autos fahren heute pro Tag durch diese Schneise. Seit 2003 fliegen zudem die Flugzeuge im sogenannten Südanflug zu bestimmten Randzeiten über Schwamendingen an. Markantes, höchstes Bauwerk im Quartier ist die Kehrichtverwertungsanlage Hagenholz. Erst kürzlich, am 21. Februar 2024, wurde das Ypsilon endgültig aus dem Nationalstrassennetz gestrichen.

Erstaunlicherweise hört man aber dennoch oft: «Jene, die Schwamendingen nicht kennen, lästern über unser Quartier. Und jene, die hier wohnen, wollen nicht mehr wegziehen». So Maya Burri, pensionierte Kindergärtnerin und langjährige Präsidentin des örtlichen Quartiervereins.[v] Schwamendingen scheint einen erstaunlichen Sog zu entwickeln, wenn man einmal angekommen ist, über alle Vorurteile hinweg, einen Sog, dem auch Ruth Erdt verfallen ist. Sie wohnt seit mehr als dreissig Jahren da. Zuerst mit ihren Kindern und ihrem Mann, dann in verschiedenen Gruppierungen, die sie in ihren fotokünstlerischen Arbeiten „The Gang“ nennt, ihre zahlreichen Adaptionen an immer wieder wechselnde Lebens- und Handlungssituationen. Sie bleibt da, obwohl sie bis heute nicht als „echte“, wirkliche Schwamendingerin zählt, da sie nicht hier geboren ist, und obwohl der Kreis lange das „hässliche Entlein der Stadt Zürich“[vi] war, wie sie schreibt. Sie bleibt aber auch, weil das Quartier entspannt ist, weil es sich ohne grössere Probleme zu einer diversen Gesellschaft entwickelt hat, weil die Kriminalität vergleichsweise tief ist, weil hier die Möglichkeit, sich zu entwickeln, sich zu verändern, stärker gegeben ist als in traditionellen, zentrumsnahen Kreisen. „Es war/ist hier ein winziger autonomer Staat, man konnte tun und lassen was man wollte, es herrschte eine besondere Freiheit, die uns geprägt hat.“[vii] So beschreibt sie das Haus, in dem sie wohnt, den Garten und die Umgebung.

Die Einhausung 

«Was als Kampf gegen den Moloch begann und zur Stadtreparatur wurde, ist jetzt eine Quartieraufwertung», sagte einer der Väter der Einhausung Schwamendingen, Jürg Rüegger, der 72-jährige Chemieingenieur und frühere Verkehrsexperte in der kantonalen Baudirektion, neulich in der Neuen Zürcher Zeitung. Vor 25 Jahren, am 4. März 1999, reichte der «Verein Einhausung Autobahn Schwamendingen» die kantonale Initiative mit mehr als 12’000 vor allem in Zürich-Nord gesammelten Unterschriften ein. Die Rede war da noch von einer kostengünstigen Metall-Glas-Konstruktion. Auf den Unterschriftenbögen prangte deshalb der Schriftzug: «Das lange Glashaus in Schwamendingen».[viii] Es zeigte sich jedoch rasch, dass eine gläserne Einhausung der Schneise zwar optisch spektakulär gewesen wäre - ein 900 Meter langer gläserner Tunnel mitten durch die Wohnsiedlungen! -, aber er hätte eine zentrale Forderung nicht erfüllen können: Die Zusammenführung des Quartiers, das durch die 6-spurige Strasse 40 Jahre lang aufgeteilt, ja entzweit worden war. Eine zweite Idee funktionierte ebenfalls nicht, nämlich die Untertunnelung. Unter der grossen Schneise verlaufen bereits die Tunnels für die Tramlinien 7 und 9. Tunnels, die ihrerseits Überbleibsel eines Zürcher Verkehrstraum(a)s sind: der U-Bahn Zürich, die Anfang der 1970er Jahre geplant und nie gebaut wurde. [ix]

Also entschied man sich schliesslich für die „Einhausung“, die Umkehrung einer Tieflegung, eine sieben Meter hohe, sechs Spuren breite und fast einen Kilometer lange Überdachung der Autobahn. Die Volksinitiative war eine derart grosse Erfolgsgeschichte, dass darüber gar nie abgestimmt werden musste. Sie wurde zurückgezogen, nachdem der Kantonsrat eine verbindliche Motion seiner Kommission für Planung und Bau die Einhausung mit fast unglaublichen 147:0 Stimmen überwiesen hatte. Nur die Kosten, sie stiegen laufend und stark. Schliesslich wird die Einhausung, wenn sie im Frühjahr 2025 eingeweiht wird, gut eine halbe Milliarde Franken gekostet haben. Das Dach der Einhausung wird in einen riesigen langgestreckten Stadtpark verwandelt werden, der die Trennung des Quartiers aufheben, die Teile wieder zusammenführen und verbinden soll. Sehr viel Erde wird dafür in den kommenden Monaten nach oben auf das Dach der Einhausung gehievt werden. Aber ob 80cm dicke Erde reichen werden, damit da auch Bäume wachsen können? Die renommierten Landschaftsarchitekten „Krebs und Herde“, die dafür verantwortlich sind, antworten „Mehr wäre besser, aber es gibt auch in der Natur vergleichbare Situationen, etwa im Schweizer Jura, wo manche Böden sehr flachgründig sind.“[x] Aber so richtig hoch werden die Bäume nicht wachsen können, was massstäblich wohl ganz gut, klimatologisch vielleicht jedoch eher ein Nachteil ist.

Die Einhausung ist schon da, sie ist angekommen, selbst wenn sie noch im Bau ist: Der Autolärm ist bereits verschwunden, dafür hat der Baulärm einen Part übernommen. Zur horizontalen gesellt sich nun zunehmend auch die vertikale Verdichtung. Die neuen Wohnblocks werden weit höher gebaut. Damit endet die Gartenstadt ein Stück weit – und die Gentrifizierung setzt langsam ein. Verdichtung, Verteuerung – hoffentlich gehören Visionen als drittes V ebenfalls bald zur Verwandlung von Schwamendingen.

Lokaltermin

„Wenn dereinst ein Teilstück der Autobahn durch Schwamendingen überdacht sein wird, kann das Quartier wieder zusammenwachsen. Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die Entwicklung von ganz Schwamendingen. Zu diesem Prozess kann auch die Kunst wertvolle Inspirationen liefern. Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Kunst im öffentlichen Raum (AG KiöR) haben sich drei Kunstschaffende Gedanken gemacht, zu einem Quartier, das kurz vor grossen Veränderungen steht.“[xi] Mit diesem Plan setzten die Begleitprojekte von KiöR zur Einhausung und zur erwartbaren Strukturveränderung in Schwamendingen ein. Nach einem Vorläuferprojekt mit Pamela Rosenkranz, fand 2012 der erste Lokaltermin mit den Künstler:innen Luigi Archetti, Ruth Erdt und San Keller statt. 2014 dann mit Ruth Erdt, Nic Hess, Michael Meier & Christoph Franz, 2015 mit Ruth Erdt und David Renggli, 2015 mit Bob Gramsma und Ruth Erdt, 2017 mit Ruth Erdt und Veronika Spierenburg, 2018 schliesslich mit Cristian Andersen: „Seaside 1990“ und Ruth Erdt: „Schwamdings Part 6“. Alles Projekte, die sich mit den geplanten Veränderungen und den Folgen für die Bewohner:innen auseinandersetzten. Ruth Erdt war dabei immer in der Doppelfunktion als Künstlerin und Mitorganisatorin tätig. In der Regel waren es einmalige Kunstprojekte, bei Ruth Erdt hingegen entwickelte sich daraus ein immenses fotografisches Langzeitprojekt, das nun schon 12 Jahre lang andauert. Jahr für Jahr fotografierte sie in Schwamendingen, mit Schwamendingen, für Schwamendingen. Die Themen, die sie sich dabei von Anfang an vornahm – Autobahnstrecke der geplanten Einhausung / verschiedene Perspektiven / Porträts der Anwohner:innen der Autobahn / Porträts der Bewohner:innen / unterschiedliche Wohnungen von innen / architektonische Sichtweisen / Übersichten / Bauten / Genossenschafts-Siedlungen / Um- und Einzelbauten / Tunnels / Brücken / Details der „Gartenstadt“ / Gärten / umgebende Natur / Quartierfeste / Chilbi / Ziegelhütte – hält sie bis heute durch.[xii] 

Fotomosaik

Rund 60‘000 Fotografien sind bisher entstanden. Daraus wurden für dieses Buch etwa ein Prozent ausgewählt. Ein Bruchteil der Arbeit, ja, dafür aber auch eine fast unendliche Verdichtung, mit vielen Verbindungen, Verknüpfungen, Verfugungen, mit Beobachtungen, Hinweisen, Andeutungen, Belegen, mit visuellen Statements. Ein langgestrecktes Fotomosaik, ein Bildband, ein Tanz von Fotografien. Dazu eine Reihe von sprachlichen Begehungen: 

·       Sechs Wellen ziehen sich unbemerkt durch dieses Buch. Sechs Bildwellen, sechs Zugriffe, die aus 12 Jahren Arbeit und aus 60‘000 Bilddaten ein aufregendes Destillat ergeben. Wie eine riesige Karte, in der sich Orte und Zeiten, Menschen und Handlungen, greifbare und mentale Situationen mischen und ausbreiten, zuerst in Einzel- und Doppelseiten aufgeteilt, dann nahtlos aneinander geheftet. Ein Endlosband an Bildern, weder zeitlich noch thematisch geordnet, vielmehr ein Fluss aus Bildern, der uns Betrachter:innen wie ein magisches Labyrinth gefangen nimmt und bis zum Schluss nicht mehr loslässt. Einzige Zäsuren sind die fünf Inserts, die den Lauf unterbrechen, fünfmal Halt sagen und ein Thema ausbreiten: die Bauarbeiter:innen bei der Einhausung, die Gartenstadt, die Schulklassen, der Sekball (Ball der Sekundarklassen), Locals (Arbeiter, Angestellte, Freelancer). Einzelseiten, Doppelseiten, Farbseiten, Leerseiten, meist randabfallend, manchmal mit einem feinen weissen Rand. Hängen bleibt man überall, und gleitet dann weiter. Der Mix ist so überraschend, so lebendig. Am stärksten bleiben meine Augen kleben, wenn sich zwei Gegenüber ineinander verkeilen, wenn sich, wie auf Doppelseite XXX-XXX, mit dem glühend-gelben Herbstbaum und der aufgebrochenen Abrisssituation einfache oder mehrfache Bild-im-Bild-Situationen ergeben: Innenraum-Aussenraum, Durchsicht, Überlagerung, formale oder farbliche Verdoppelung, Ergänzung. Oder eine Fenstereinbuchtung, verklebt, voller Fernweh in Palmen-Romantik. Ein Abbruch, der auf ein satinblaues Festkleid prallt. Der Bildfluss stockt dann, verdichtet sich zu eingerahmten Schachtelsätzen, die letztlich auch, allgemeiner, über Leben und Tod, Bauen und Abreissen, Wachsen und Sterben „sprechen“. 

·      K12 – Stadtkreis 12 – als Graffiti, aufgesprayt in schwarz, gelb, blau, rot, leuchtend violett, auf Hauswänden, Abschrankungen, Elektrokästen. Nicht versteckt, verschämt, sondern bestimmt, vorzeigend, mit Ausrufezeichen, fordernd, einfordernd, aufschreiend manchmal, mit und ohne Bindestrich: K-12 oder K12. Mit den drei-vier Zeichen wird ein Territorium markiert, das aufgewacht ist, das sich regt, das sich behaupten will. Die Jugend. Ein Stück weit ist Stolz darin zu spüren, rotziger, auch konfrontativer Stolz. Wir sind hier, wir sind wer. Was wird davon übrigbleiben, was wird ins neue Schwamendingen einfliessen, das gerade eben entsteht? Oder werden die Sprayereien schrittweise ausradiert, übermalt, damit die Wohnstadt 2.0 sich in Ruhe etablieren und ausbreiten kann? 

·      Abbruch: Wie der vorgezogene Herbst von Siedlungsräumen lesen sich einzelne Bildstrecken. Ganze Wohngenossenschaften werden abgerissen und neu gebaut, neu ausgerichtet, hochgezogen, obwohl auch eine Renovation ihren Dienst getan hätte. Baulich ja, aber nicht renditemässig, für die Besitzer:innen, geschichtlich auch ja, aber nicht für die geplanten 100‘000 Bewohner:innen mehr, die bis 2040 in Zürich leben sollen. Von 400‘000 auf 500‘000 in zwanzig Jahren, innerhalb der bestehenden Stadtgrenzen. Denn fast nur so entwickelt sich das Steuersubstrat in die gewünschte Richtung. Verdichtung ist das Keyword heute. Wohlwissend, dass sich die angekündigte Hitze mit der Verdichtung beissen wird. Wer das noch nicht glaubt, der fahre einmal im Sommer nach Bologna. Zwei Sommermonate lang 38-40 Grad im Schatten, und die mittelalterliche, eng gebaute Stein-Stadt wirkt wie eine Batterie. Die Hitze wird bis weit über Mitternacht gespeichert und nur langsam abgegeben.

·      Der Sohn, ab und zu, die Tochter ebenfalls, obwohl sie heute in Berlin wohnt. Beide tauchen in den Fotografien auf. Der heutige Mann hingegen, nein, der weit weniger, denn er sei zu gross, zu lang, schlage sich den Kopf an den Balken und Pfosten an, im rund 500-jährigen Haus. So wie sich über mehr als dreissig Jahre unterschiedliche Formen der „Gang“, der „Ruth-Gang“ im Haus und im Garten bewegt haben, so bewegen sich die Kinder stämmig, gerade oder geschmeidig wie eine Schlingpflanze durch diese Fotogeschichte, diese Fotolandschaft. Als Teil des Hauses, der Familie, als Teil von Jugend-Gangs, aber auch, wie alle andern, als Einwohner von Schwamendingen oder als Kurzzeitaufenthalterin. Besucher und Besucherinnen gibt es nach wie vor eher wenig. Werden aber bald die Stadtzürcher, aus den Kreisen 1 bis 9, das neue Schwamendingen entdecken kommen? Mit mehr Neugierde als nur Anmassung und Überheblichkeit wie bisher, mit Staunen statt Nichtbeachtung?

·      „Brida Pelican“ wohnt neben „A. Brulic“, „M. Wakivuaminia“ neben „Ali Mahamud“ und „Ayan Mahaned“, „A. Zeller“ wiederum neben „W. Wolf-Maag“ und „Ares Fernando“ - so steht es auf den Klingelschildern geschrieben. Doch die Gegenwartsform täuscht sich wohl, denn einige Schilder hängen arg schief. Wohnte, wäre korrekter, haben hier gewohnt, sind, mehrheitlich wohl erst, vor ein paar Wochen oder Monaten, ausgezogen. Das Haus wartet auf den kontrollierten, abfall-sortierenden Abriss. Die Schilder spiegeln den Kulturenmix, der in Schwamendingen heute vorherrscht, 2400 Bewohner:innen hatte das Dorf Schwamendingen, als es eingemeindet wurde. Heute leben mehr als 30‘000 Personen da, davon ist die Hälfte aus dem Ausland zugezogen. Sie kennen sicher den Unterschied zwischen Migranten und Expads? Ja, oft ist es die Sprache, das stimmt, Expads sprechen häufig Deutsch oder Englisch, aber weit öfter ist es das Bankkonto. Arme und reiche Zuwanderung wird auch begrifflich getrennt. Shame on us.

·      Ein gegensätzliches Bildpaar: Das Porträt einer älteren Frau, die vermutlich auf einer Parkbank sitzt und nach links aus dem Bild schaut, ihr Kopf ist leicht angehoben (XXX). Sie raucht, auffällig, demonstrativ, wie sie eine gerade angezündete Zigarette im Mund hält. Daneben ein typisches Schwamendingen-Bild (XXX). Der Blick geht hoch zu einem vierstrahligen Flugzeug, das recht tief über die Kante eines Wohnhauses den Flughafen anfliegt. Gesicht und Flugzeug sind gegensätzlich ausgerichtet, während die Zigarette und die Triebwerke parallel liegen. Eine starke formale Verschränkung hält gleichsam den inhaltlichen Gegensatz in Schach, bindet Bewohnerin und Verkehr ein. Ein Sinnbild Schwamendingens, denn seit über 20 Jahren wird zu bestimmten Zeiten der Flughafen aus dem Süden über Schwamendingen angeflogen. Zum Ärger vieler Anwohner:innen. Wohlhabendere sind entsprechend oft bereits weggezogen.

·      Hirschenplatz. So sagte man früher dem Platz im Zentrum. An zentraler Lage der Gasthof Hirschen, mit Zunftsaal im ersten Stock und Brunnen, mit zwei uralten grossen rechteckigen Brunnentrögen. „Schon 1750 wurde er als bedeutendes Hotel bezeichnet. Seine Bekanntheit verdankte er unter anderem dem Verkehr. Als letzte Station vor der grossen Steigung auf dem Weg in die Stadt war der «Hirschen» für die Fuhrleute von grosser Bedeutung. Während sich die Fuhrleute ihren Durst löschten, wurden ihren Fuhrwerken weitere Pferde zur Überwindung der Steigung zum Milchbuck vorgespannt. Die Fuhrhalterei des «Hirschen» mit ihren 20-25 Pferden war durch diesen «Vorspann» oft ganz in Anspruch genommen. An besonders verkehrsreichen Tagen wurden zudem auch die Ochsen und Kühe der Schwamendinger Bauern «vorgespannt». An solchen Tagen fand man kein einziges zugfähiges Vieh mehr in den Ställen Schwamendingens.“[xiii] Irgendwann wurde der Platz umgetauft. Nun heisst er Schwamendingerplatz. Damit auch alle sicher wissen, wo sie sich gerade befinden. Stellen wir uns in Paris den Parisplatz, in London den Londonplatz, in Berlin den Berlinplatz als zentralen Stadtplatz vor. Undenkbar, nicht? Das Tautologische daran entlarvt das beständige Identitätsflimmern, das Suchen und das Selbstzweifeln des Kreises. Zumindest, wieder, aus der Aussensicht. Die Schwamendinger Chilbi, die alljährlich da stattfindet, belegt genau das Gegenteil. Viele Vereine, viele Klubs, viele Parteien mischen die klassische Chilbi auf und verwandeln sie in ein echtes Volksfest, ein Gemeinsamdasein.

·      Ausgeschlachtete Innenräume, die ungeduldig auf den Abriss oder die Neuausstattung warten. Eines meiner vielen Lieblingsbilder zeigt ein orangenes Haus am Hang, vierstöckig. (XXX) Die Wiese davor ist frisch verschneit. Die Hausnummer, 32, ist an zwei Orten aufgesprayt, ebenso der Slogan „Fuck the Police“ und die aufgeblasenen Buchstaben F, O, R, B, S – was Grünpflanzen oder Kräuter bedeuten kann, falls übersetzen angesagt ist. Das Haus wirkt total ausgekernt, die meisten Fenster sind nur noch dunkle Löcher, manchmal mit Durchblick durchs ganze Haus und hinten wieder, durch die gegenüberliegenden Fensterlöcher, raus. Irgendwie wirkt es wie ein Kartenhaus, das beim nächsten Wind in sich zusammenfällt, wenn da nicht der oberste Stock wäre. Dort sind schon neue Fenster montiert, noch matt und lichtundurchsichtig abgeklebt. Hier wird also nicht abgerissen und verdichtet, sondern totalsaniert. Und die Wohnungsmieten? Werden sie bezahlbar bleiben? Fast die Hälfte der Wohnungen gehören Wohngenossenschaften, ein Teil auch der Liegenschaftsverwaltung der Stadt Zürich. Beide Körperschaften, beide Systeme helfen stark mit, dass nicht alle Geringverdienenden in die Agglomeration ausweichen müssen.

·      Ja, es ist ein Buch über Schwamendingen. Mit Schwamendingen. Durch Schwamendingen. Wegen Schwamendingen. Unter Schwamendingen. Aber weit mehr noch ein Buch mit Schwamendingern und Schwamendingerinnen, mit den Menschen also, den Babys, den alten Paaren, den Alkoholikern, den coolen Jungs, den Normalbürger:innen, den Zugezogenen, den zwei, drei einzigen Bauern im Kreis, den Badenden im Schwimmbad Aubrugg, den Eis-Essern, den Tanzenden, Springenden, Biertrinkenden, auch den Ausruhenden, Chillenden. Auffallend lebendig, frisch, fröhlich, wie viele junge Menschen in die Kamera strahlen. „FICKT EUSCH ALLE 3“ als muntere Aufforderung, auf einer Wand der Werkerei, der ehemaligen AMAG aufgepinselt. Ah, sicher ein Kunstprojekt! Sonst wär’s ja gesprayt. Selbst die Polizisten lächeln. Ja, die Bauarbeiter arbeiten, an der Einhausung. Und andere arbeiten in und auf den vielen Abrisshäusern. Aber sonst? Schwamendingen ist kein Industriegebiet, nicht mal eine richtige Gewerbezone, sondern eine besondere Wohngegend mit knappen Einkaufsmöglichkeiten. Postleitzahl 8051 oder eben: K12.

·      Es existieren auch „Chrüsimüsi“-Landschaften, angeblich das beliebteste Mundartwort in der Schweiz[xiv], ein heiteres Durcheinander von Wiesen, Fussballtoren, Büschen, Brennholz, Grünzeugs, Grünabfall, ein paar Kabel in der Luft und im Hintergrund Sechzigerjahre-Wohntürme. Nicht alles ist schweizerisch herausgeputzt, gereinigt und zugeteilt. Schwamendingen ist am Waldrand entlang gebaut, mit Ausläufern in die Ebene hinaus, in die vielen Wiesen der Wohngenossenschaften. Bislang wenig verdichtet, bislang noch mit Freiflächen. Doch die Einhausung wirft ihre Schatten voraus, wirft das Wohngefüge seit einer Weile schon durcheinander. Viele Private, aber auch viele Wohngenossenschaften reissen die liegenden Kuben der 1950er Jahre ab und stellen sie hochkant wieder hin, deutlich höher als bisher, und deutlich enger, dichter. Das „Chrüsimüsi“ verschwindet zunehmend. Und das lärmige Gewerbe fürchtet sich davor, durch ruhiges Gewerbe ausgetauscht zu werden.

·      Schwamendingen war verschrien. Bis sich die Benachteiligung in Stolz zu verwandeln begann, bis die Ausgrenzung positiv gedreht wurde. Von der Ausgrenzung zur Stärke, zu einem neuen Bewusstsein, zu einer starken Marke sogar. Das Quartier wirkt heute erstaunlich integrativ. Mit vielen Alters- und Pflegeheimen, vielen Sozialfällen, psychisch Beeinträchtigten. Auf dem Schwamendingerplatz herrscht kein Dresscode. Auch Trainer und Hausschuhe sind möglich. Schwamendingen könnte bald als Lehrstück dienen, für eine neue Schweiz, die gerade am Entstehen ist. 1960 waren es 5 Millionen, 2024 sind es 9 Millionen, bald werden es 10 Millionen sein. Die Zuwanderung ist gross, jedenfalls grösser als der Geburtenrückgang. Das Älterwerden nicht eingerechnet. Und das bewohnbare Drittel der Schweizer Landschaft bleibt (immer) gleich gross. Die Konflikte aber entwickeln sich in Schwamendingen nicht mehr an den Sprachgrenzen.

·      Fremde Personen, die Ruth Erdt nicht kennt, die sie im Kontext der Stadtlandschaft aufnehmen will, beobachtet und fotografiert sie auch mal mit dem Tele-Objektiv. Sie operiert mich stark unterschiedlichen Ansätzen, mit vielen Zufallsbildern, mit konfrontativen Bildern, direkt und ungeschminkt, und mit geplanten, inszenierten Bildern, die eine Vorbereitungszeit benötigen. Im Mix der Dokumentation einer vorgegebenen Realität bis zur Schaffung der Realität durch die Kamera. Manchmal hadert sie mit der Überschärfe im digitalen Bild. Muss es so scharf sein? Fällt dann nicht das Geheimnisvolle weg? Und der digitale Glanz in den Gesichtern, ja, der muss weg. 60‘000 Fotos, ähnlich grosse Zahlen kennen wir in der Fotogeschichte nicht einmal von Eugène Atget. Doch Atget hat die Menschen praktisch ganz weggelassen, hat nur das Stadtgefüge in Paris fotografiert. Ein stille Stadt, in Schwarzweiss, aufgenommen mit einer Plattenkamera. Das Ruhige, Majestätische von Atget tauscht Ruth Erdt mit Lebendigkeit, Nähe, Direktheit und mit einem flexiblen, forschenden Dokumentieren. Im Gegensatz zu anderen Langzeitbeobachtungen baute sie sich kein strenges Raster auf, an das sie sich hielt und das sie regelmässig bediente. Es gibt also nicht die jährliche oder monatliche Wiederholung vom exakt gleichen Standort aus, vielmehr ein reichhaltiges, strahlendes Mosaik. Ein Tanz der Dinge, ein Tanz der Umstände, der Menschen, der Stimmungen.

 

The Family Affair – The Schwamendingen Affair

"Die gewählte Lebensform der Schicksalsgemeinschaft und der Wahlfamilie, in der ich mich bis heute befinde und die meine Arbeit maßgeblich beeinflusst hat, wird hinterfragt und im Vergleich zu konventionellen Darstellungen von Familie und Anderen untersucht“, schreibt Ruth Erdt auf ihrer Webseite und fügt unter anderem hinzu: "Es sind Themen, die selten in den Kunstkontext einfließen, schnell als privat angesehen und ohne politischen Faktor gelesen werden. Meine Arbeit kann in diesem Zusammenhang als eine fotografische Sprache interpretiert werden, die sich seit den 1980er-Jahren bewusst mit autobiografischem Material in Bild und Text auseinandersetzt und anhand dieses Materials die Trennung von Leben - Kunst sowie die Inszenierung und den Authentizitätsbegriff des fotografischen Bildes untersucht."[xv] Das fotografische Werk von Ruth Erdt hat einen hohen autobiographischen Gehalt. Sie fotografiert eigentlich immer „Familie“, im engeren Sinn, zuhause, mit ihren Männern und Kindern, mit ihren Freunden, Freundinnen – die Verdichtung eines ersten Teils dieser Arbeiten hat sie 2001 als „The Gang“ bei Lars Müller Publishers als Buch veröffentlicht. Ihr Blick darin ist ebenso direkt und hart wie warm und voller Gefühle, voller Neugierde auch. Wir Betrachter:innen sind sehr nahe dran, sind drin, inmitten dieser Intimität, dieses intensiven Lebens. Wir folgen dem Pendel von Erotik, Spannung, Aufladung hinüber zu existenzieller Verlorenheit. Die gesamte Gefühls- und Empfindungsskala rauf und runter. Und gleichwohl sind wir keine Eindringlinge, keine Voyeure, zu stark begleitet uns das Gefühl eines pars pro toto. Wir schauen und denken über uns selbst nach, über unsere immerwährende Suche, unser Ankommen, unsere Verlorenheit. 

Das Projekt „K12 – Schwamendingen, ein Randbezirk“ führt das weiter, in gewisser Weise. Ruth Erdt öffnet den Kreis der Familie, widmet sich ihrem Wohnkreis, Stadtkreis, fotografiert zentrale Themen der Gesellschaft, der Menschen (ihre Wege, ihr Arbeiten), der Architektur, des Verkehrs, des Pulsschlags in der Gegend. Sie öffnet also den familiären, freundschaftlichen Kreis, sie öffnet sich der Umgebung, tritt aber gleichzeitig einen Schritt zurück. Ruth Erdt steht hier nicht mehr so nahe, wie in ihrem eigenen Familien- und Freundeskreis. Sie geht diesen einen Schritt zurück, um draussen, ausserhalb  fotografieren zu können, also äusseres Leben, öffentliches, gebautes, veranstaltetes, organisiertes Leben oder auch anders-privates, anders-eigenes, anders-einsames und gleich-fröhliches Leben. Sie zieht Kreise durchs Quartier, sie schlingert durch die Strassen, mäandert durch die Themen, die Fragestellungen, immer wieder, und lange andauernd. Dabei setzt sie sich aus, sie steht vor die Menschen hin, die Frauen und Männer, die Mädchen und Knaben, die Nüchternen und Betrunkenen. 

Ein zwölf Jahre schon andauernder Gang durch Schwamendingen, ein Tanz durch die Menschen da, und mit ihnen, eine Begehung der Baustellen, ein Erforschen der herrschenden Verhältnisse. Hüpfend und bedächtig, elegisch, suchend, forschend, aufwartend, prüfend. Aus „The Family Affair“ wird so schrittweise „The Schwamendingen Affair“ und auch „The Anthropological Affair“, das Suchen nach den Menschen heute, im Kontext Schwamendingen, nach ihren Bedingungen, dem Menschsein, den Lebenssituationen, den Zwängen, Freuden und Leiden. Ein grosser hüpfender, ein kreisender, andauernder, schleichender, bedächtiger, wilder, genauer, energischer, warmer, heisser oder kalter Bildertanz – durch Schwamendingen, diesen Randbezirk K12 –, der dank seiner Frische, seiner Unermüdlichkeit, seiner Direktheit, seiner Ehrlichkeit und seiner Feinheit zudem viele der oft diskutierten Probleme der Dokumentarfotografie mit einem heiteren Lächeln wegweht. 


 
[i] „Das Konzept von Gartenstädten wurde 1898 in England von Ebenezer Howard entworfen. Hintergrund bildeten die schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse in den stark gewachsenen Grossstädten der Industriealisierungszeit. Howard schlug vor, die bis dahin unplanmässige Ausbreitung grosser Städte in geordnete Bahnen zu lenken. Statt massiver Verdichtung in Stadtzentren, statt zusammenhangsloser Ausdehnung der Städte in neue Randgebiete, sollten völlig neue Stadtlandschaften um Kernstädte herum entstehen.2 Zit. nach der Webseite des Ortsmuseums Schwamendingen: https://www.schwamendingen.info/gartenstadt.html
[ii] Ein Alemanne namens Swabmund, namensgebend für die spätere Siedlung, liess sich im 5. Jahrhundert hier nieder. https://www.schwamendingen.info/history/index.html, Stand 31. 3.2024
[iii] Der Kehlhof und sein Inhaber Ruodpert, cellerarius zuo Swamundinga, wurden 929 erstmals schriftlich erwähnt. Im Jahre 915 bestand der Weiler Schwamendingen aus zehn Wohnhäusern. Das Geschlecht der Keller von Schwamendingen wurde um das Jahr 1000 als Inhaber des Kehlhofs erwähnt. Die Keller wurden 1320 Bürger der Stadt Zürich und stellten der Stadt zwei Bürgermeister, 65 Ratsherren, 71 Vögte und 26 Geistliche. (…)Gemäß der Offnung von Schwamendingen von 1400 und 1533 wurde im Kehlhof, als Amtsstelle des Grossmünsters, unter dem Vorsitz des Propstes zweimal im Jahr (Maien- und Herbstgericht) Gericht gehalten. Der Propst wurde vom Vogt auf der Kyburg in der Ausübung seines Amtes geschützt. Das Hochgericht, das insbesondere über Leben und Tod urteilte, wurde von den Kyburgern und nach ihrem Aussterben 1264 von den Habsburgern ausgeübt. https://de.wikipedia.org/wiki/Kehlhof_Schwamendingen. Stand 31.3.2024
[iv] Sein Buch, Niklaus Wyss
[v]
[vi] Ruth Erdt, aus einem unveröffentlichten Vortragsmanuskript.
[vii] Zitat aus unveröffentlichem Vortragsmanuskript. Ruth Erdt: LOKALTERMIN SCHWAMENDINGEN. Künstlerbeobachtung vor Ort, 2012 von Ruth Erdt 2012
[viii] https://www.nzz.ch/zuerich/was-als-kampf-gegen-den-moloch-begann-ist-jetzt-eine-quartieraufwertung-das-sagt-juerg-rueegger-einer-der-vaeter-der-einhausung-schwamendingen-in-zuerichs-norden-ld.1821345, 16.3.2024
[ix] „Die U-Bahn Zürich war (…) ein Planungsprojekt zum Bau eines U-Bahn-Netzes in der Stadt Zürich und in einigen angrenzenden Gemeinden. Die erste Linie hätte von Dietikon über Schlieren, den Zürcher Hauptbahnhof, Oerlikon und Opfikon zum Flughafen Zürich, mit kurzen Zweigstrecken nach Schwamendingen und Kloten führen sollen. Dabei wären die beiden wichtigsten Entwicklungsachsen der Agglomeration, das Limmattal und das Glattal, erschlossen worden. Die Strecke wäre 27,5 km lang gewesen, wovon 14,8 km unterirdisch geführt worden wären.“[ix] Dieses Projekt wurde vom Volk ebenso abgelehnt wie die Idee eines tiefgelegten Trams. Übrig blieben deshalb diese vorsorglich gebauten Tunnels, die jetzt den zwei Tramlinien und drei Haltestellen dienen. https://de.wikipedia.org/wiki/U-Bahn_Z%C3%BCrich, Stand 31.3.2024
[x] Christian Seiler: “Alles zupflanzen ist auch keine Lösung“, in Das Magazin, Nr. 13, 30. März 2024, S. 20
[xi] https://www.stadt-zuerich.ch/ted/de/index/oeffentlicher_raum/kunst_oeffentlicher_raum/initiieren_produzieren/lokaltermin_schwamendingen/lokaltermin_2012.html
[xii] Tabellarische Auflistung in einem unveröffentlichten Projektbeschrieb.
[xiii] https://www.zunft-schwamendingen.ch/unsere-zunft-mainmenu-176/zunftlokal-mainmenu-119/79-gasthof-hirschen.html
[xiv] Das ist das beliebteste Mundartwort | Der Bund
[xv] Webseite https://www.erdt.ch/family-affair